In Entspannungskursen haben wir schon oft über die Floskel „alles gut“ oder „alles ist gut“ gesprochen. Und zwar in verschiedenen Zusammenhängen. Eine besonders unangenehme Form ist mir neulich mal wieder untergekommen. Ein Mitmensch gebrauchte sie an jeder passenden und unpassenden Stelle im Gespräch. Sicher war es nur eine Angewohnheit, aber mich hat es trotzdem genervt, weil ich einige Tage mehrmals mit diesem -durchaus liebenswerten- Menschen zu tun hatte.

Egal, was in der Zusammenarbeit passierte, alles wurde mit dieser Floskel „bearbeitet“ und damit vom Tisch geschubst.

Und dann ist mir diese Floskel in den letzten Wochen wiederholt aufgefallen, da sie gerade wohl aktuell ist.

Alles ist gut.

In jeder passenden und unpassenden Situation: Alles ist gut.

Besonders wenn etwas nicht läuft oder man auf ein Problem aufmerksam machen möchte: Alles ist gut.

Der Trockner ist defekt, es gibt keine Ersatzteile mehr. Es muss daher die ganze Front ausgewechselt werden, was teuer wird und bedeutet, dass das Teil ein paar Tage in die Werkstatt muss. Die Handwerker packen das Gerät ein: Alles ist gut.

Die Hose ist zu eng, das T-Shirt steht mir nicht: Alles ist gut.

Das Essen ist angebrannt, ich versuche zu retten, was nicht zu retten ist: Alles ist gut.

In diesen Momenten verlässt mich beinahe meine Gelassenheit und ich möchte SCHREIEN: Nein, es ist gerade nicht gut. Es ist schrecklich, frustrierend, peinlich, nervtötend. ABER NICHT GUT. Und schon gar nicht ALLES.

Klar ist es meistens eine reine Angewohnheit, aber das sind solche Floskeln ja oft. Grund genug, sie gelegentlich zu hinterfragen.

In Kursen war der Ausgangspunkt, ob eine solche Aussage als Affirmation taugt. Ich kann ganz klar sagen: wenn es so inflationär gebraucht wird, ganz sicher nicht.

Es ist ein Hilfsmittel, ein schlechtes noch dazu, um an der Oberfläche zu bleiben, nicht in die Tiefe zu gehen, sich nicht mit dem Problem zu beschäftigen. Aber es hilft NICHT.

Es ist, als ob mit diesen drei Worten und einem Lächeln alles weggewischt wird, alle Probleme gelöst werden. Eine tiefergehende Diskussion, die ja dann auch manchmal fruchtbar sein kann, wird damit sofort unterbunden. „Weggewischt“.

Wie beim Smartphone, wo ich nervige Benachrichtigungen mal eben wegwische.

Das ist im ersten Moment einfach, besonders für den, der es sagt. Es kann auch beruhigend für den sein, an den es gerichtet wird; das Problem an sich ist aber immer noch da.

Was können wir tun? Abgewöhnen, ganz schnell.

Immer, wenn ich es benutze, wieder drüber nachdenken, ob nun alles gut ist oder ich nur einer weitergehenden Diskussion oder dem Problemlöseprozess aus dem Weg gehen möchte.

Und dann kann ich entscheiden, mich diesem Prozess zu stellen.

Wenn ich nämlich das Problem beim Namen nenne, setzt automatisch im Unterbewusstsein die Suche nach einer Lösung ein. Dann kann ich handeln und das Ergebnis ändern. Das ist zwar nicht immer bequem, führt aber dazu, dass ich am Ende mit gutem Gewissen und wahrheitsgemäß sagen kann: ALLES IST GUT.

Wie man „Alles ist Gut“ als Affirmation und „Alles wird gut“ als Motivationshilfe benutzen kann, werde ich in der nächsten Woche zeigen.

Bis dahin:

Bleibt entspannt 😉

 

 

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