In der Kommunikation kommt dem Wort NEIN nicht nur die reine Sachbedeutung zu, oft drückt es auch eine bestimmte Haltung aus oder gibt uns ein bestimmtes Gefühl, wenn wir ein NEIN hören.

Im Rahmen der „Stress macht krank“- Reihe möchte ich heute auf das Thema „NEIN sagen“ eingehen, denn oft macht uns unsere Unfähigkeit oder Unwilligkeit NEIN zu sagen großen Stress.

Kennen Sie das?

Als Beispiel nehmen wir eine harmlose Frage eines guten Bekannten, wie z.B. „Kannst Du am Wochenende bei einer Feier (oder Umzug o.ä.) helfen?“

Ich habe aber viel zu tun, meine Zeit schon verplant oder brauche dringend das Wochenende zur Erholung, daher kommt mir diese Frage gar nicht recht.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Ich sage JA, weil ich mein Gegenüber nicht enttäuschen möchte und bekomme Schwierigkeiten mit meinen eigenen Terminen, meiner Arbeit, meiner Familie o.ä. – Das bedeutet Stress, denn es gibt Spannungen, Streitigkeiten oder Zeitdruck.

Ich sage JA, weil ich mich geehrt fühle oder weil ich das Gefühl bekomme, gebraucht zu werden. Das tut mir gut. Meine anschließende Zeitknappheit tut mir aber nicht gut und verursacht Stress.

Ich sage NEIN – habe aber gleichzeitig Angst, dass mein Gegenüber das falsch versteht, auf sich selbst bezieht und daraus eine unangenehme Spannung zwischen uns entsteht. Das bedeutet Stress, denn Spannungen sind Anspannungen.

Ich sage NEIN, habe aber gleichzeitig das Gefühl, zu versagen, weil ich nicht in der Lage bin, diese Aufgabe zusätzlich zu meinem eigenen Programm zu stemmen. Das bedeutet wiederum großen emotionalen Stress, denn wer fühlt sich schon gerne als Versager?

Wie kann ich aus dieser Zwickmühle herauskommen?

Zunächst einmal sollte ich mir klar werden, wer mich da fragt. Manche Leute fragen einfach immer diejenigen, von denen sie wissen, dass sie bestimmt nicht ablehnen. Ich muss also die Person bewerten und die Dringlichkeit gewichten.

Dann kann ich schauen, ob die Möglichkeit besteht, meine eigenen Termine oder Vorhaben zu streichen, zu delegieren oder zu verschieben.

Außerdem sollte ich auf meine Gefühlslage achten: Tue ich das gerne? Ist es vielleicht dann eine angenehme Tätigkeit, die mir vielleicht sogar etwas Entspannung, Abwechslung bringt oder habe ich gar keine Lust, diese Aufgabe zu übernehmen.

Wenn Sie nach diesen Überlegungen zu dem Schluss kommen, dass ein NEIN die beste Lösung wäre, dann sagen Sie es: N E I N !

Natürlich können Sie es begründen, sollten sich aber nicht scheuen den wahren Grund zu sagen: Ich habe keine Lust! Ich habe keine Zeit! Ich brauche mal ein Wochenende für mich!

Lassen Sie Ihre Skrupel nicht hochkommen, auch wenn es beim ersten Mal noch schwerfällt 😉

Wenn Sie bisher immer JA gesagt haben, wird Ihr NEIN zunächst etwas ungewöhnlich sein, aber man wird sich daran gewöhnen, dass Sie nicht immer springen, wenn andere HOPP sagen.

Wenn Ihr Gegenüber kein Verständnis für Ihr NEIN hat, ist er es auch nicht wert, dass Sie sich Stress machen – vielleicht will er sogar genau diesen Stress für sich selbst vermeiden!

Und noch etwas: Wenn Sie NEIN gesagt haben, genießen Sie die Vorteile, die dieses NEIN Ihnen gebracht hat – und beim nächsten Mal ist es schon gar nicht mehr so schwer. 🙂

 

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